Mein Plastik - mein Problem? Die "5R's" aus Sicht von NO PLANET B

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Mein Plastik - mein Problem?

Die “5Rs” aus Sicht von No Planet B

Seitdem wir die Marke NO PLANET B machen, entwickeln wir uns zum echten Recycling-Nerds. Jetzt wollen wir es genau wissen! Kappe ab von der Flasche, Kappe drauf lassen? Tetrapak quetschen um Platz zu sparen, oder ganz lassen, damit es beim Recyceln von der Maschine besser erkannt wird? Und was ist mit Bio-Plastik? Wir sind am 21. Mai auf Einladung vom GrünenPunkt zu Besuch auf einem Recyclinghof in Deutschland. Wir wollen sehen, wir wollen lernen, wir haben viele kritische Fragen - auch zu unserer eigenen Verpackung. Wer sich mit dem Thema Verpackungsmüll und Recycling befasst, kommt nicht am Konzept „Zero Waste“ vorbei. Also im Klartext: „ich erzeuge keinen Müll“. Gar nichts, niente, nada. Oft in Verbindung mit mehreren „Rs“ als Hierarchie, also Reduce, Recycle, Re-Use, Rot… da gibt es einige Versionen von. Zero Waste ist ein wichtiges und lobenswertes Konzept, aber in der absoluten Konsequenz für Otto-Normal-Verbraucher eine ganz schöne Herausforderung. Welche Rolle trägt dabei der Hersteller, bzw. die Marke? Wir schauen auf die „5Rs“ aus Sicht von unserer Erfahrung mit NO PLANET B zum Auftakt vom #InternationalRecyclingDay am 17. Mai.

REUSE

Geschätzt mehr als 90% der Kosmetikindustrie nutzt für eine Kunststoffflasche neues Plastik. Wir können hier als NO PLANET B keine teure Studie finanzieren, um diese Behauptung zu beweisen. Brauchen wir aber auch nicht; ein kurzer Blick ins Regal reicht, um dies zu belegen. Damit werden Tag täglich Millionen Flaschen aus Plastik von nicht erneuerbaren, endlichen Quellen in die Welt gepumpt. Wir haben laut Experten mehr als 8 300 000 000 000 KG Plastik bereits auf dieser Erde. Gegen diesen riesen Plastikberg müssen wir etwas tun! Zurzeit gehen kleine Marken wie wir oder Eigenmarken wie @Alverde von @dmdrogeriemarkt mit gutem Beispiel voran, aber es reicht nicht, wenn die großen Player nicht schnell mitziehen. Da hilft es auch nicht, von heute auf morgen nur Glas zu verwenden oder einzelne Varianten umzustellen als PR-Trostpflaster. Plastic is here to stay. Buchstäblich. Denn Plastik verrottet nicht, es wird nur kleiner. Wir haben sehr viele Diskussionen auf unseren Sozialen Medien Kanälen, warum wir als eine nachhaltige Marke Plastik nutzen. Aus unserer Sicht nutzen wir eine wiederverwertbare Ressource: Altplastik. Unsere Flaschen bestehen aus 97% recyceltes Plastik. Der Rest ist Farbe (3%). Plastik kann nicht endlos verwertet werden, das wissen wir, aber ist es nicht besser, wenn das bestehende Plastik zur Bank wird, als dass es auf der Müllhalde landet? Noch schlimmer ist es, wenn endliche Ressourcen benutzt werden, um Flaschen aus neuem Plastik zu produzieren. Eigentlich sollten alle Unternehmen so handeln, als gäbe es morgen kein neues Plastik mehr. Dadurch würden die Möglichkeiten für Rezyklat, also recyceltes Material als Basis für neue Flaschen, besser und langfristig hoffentlich günstiger. Denn heute bezahlt man als Unternehmen für Flaschen aus Rezyklat mehr als für Flaschen aus neuem Plastik. Aufgrund der geringen Quellen vom geeigneten, zugelassen Rezyklat, gibt es nicht genug recyceltes Material zur Verfügung. Ein Zustand der schier unglaublich ist! Hier hilft nur Druck aus der Politik, die aktive Nachfrage aus der Industrie und von den Konsumenten, um schnell passende Lösungen zu finden, um das Problem Plastik Stück für Stück anzugehen.

So viel Plastik gibt es laut Experten auf der Erde. Plastik ist ein Wertstoff, das wiederverwertet werden kann

So viel Plastik gibt es laut Experten auf der Erde. Plastik ist ein Wertstoff, das wiederverwertet werden kann

REDUCE

Unsere NO PLANET B Flaschen wirken im Regal klein. Die kleine, runde Flasche neben der schlank gezogenen Nature Box- oder Nivea Flasche, je nach Platzierung im Regal. In der Industrie nennt man das „shelf-optimisation“. Man gestalte eine Verpackung so, dass sie möglichst hoch und/oder möglichst breit im Regal steht. Denn „bigger is better“ wenn’s beim Kaufimpuls am Regal geht. Kaum jemand macht sich die Mühe nachzuschauen, ob da nicht genau die gleiche Menge drinsteckt. 250ml ist aber 250ml. Es ist gesetzlich geregelt, dass das was draufsteht auch drinsteckt. Nur 250ml versteckt sich in einer schlanken, aber großen Flasche von 19.5cm z.B., genauso wie in unserer kleinen, runden Flasche von 14 cm. Das die große, schlanke Flasche nachher in der Anwendung manchmal nervt, weil sie umkippt, nicht auf dem Kopf gestellt werden kann oder sich nicht gut verstauen lässt, ist egal: der erste Eindruck zählt. Noch viel gravierender ist die Auswirkung auf die Menge vom Plastik, das für die Produktion der Flasche benötigt wird. Unsere NO PLANET B Flasche im Vergleich zu einer führenden Marke wiegt leer 30% weniger. Hochgerechnet auf eine Million Flaschen, ergibt das ein Ersparnis von 13 000 kg Plastik. Was also auf dem ersten Blick vielleicht nicht so gravierend erscheint, kann auf die Mengen, die große Marken produzieren, sehr viel ausmachen.

Diese Flaschen sind beide 250ml - ein Beispiel

Diese Flaschen sind beide 250ml - ein Beispiel

Man sieht erst von der Seite, dass die Flasche lang und schlank ist. Ein Beispiel von vielen für eine “shelf-optimised bottle”.

Man sieht erst von der Seite, dass die Flasche lang und schlank ist. Ein Beispiel von vielen für eine “shelf-optimised bottle”.

REFUSE

Leute lieben Pumpen. Ein Spender auf dem Produkt gilt als hochwertig und vorteilhaft in der Anwendung. Nur es gibt wenig Pumpspender, die nicht im Inneren eine Metallspirale haben und – ganz klar – eine Flasche mit Pumpe nutzt mehr Material. Die Pumpe kann nicht recycelt werden, weil sie Metall enthält und damit nicht sortenrein ist. Pumpen am Spender können eine fachgerechte Verwertung der Plastikflasche verhindern. Wir haben auf eine Pumpe bei NO PLANET B verzichtet. Ein Spender am Produkt ist bequem und qualitativ hochwertig, ja, aber sie ist keine Notwendigkeit. Da unsere NO PLANET B Flaschen rund und stabil sind, können sie super einfach auf dem Kopf gestellt werden, um den letzten Rest aus der Flasche zu holen.

Wer recycelt, hilft.

Wer recycelt, hilft.

RECYCLE

Je darüber nachgedacht wie der GrünerPunkt auf die Verpackung kommt? Vermutlich nicht. Fakt ist, man muss als Unternehmen dafür bezahlen. Gut so! Denn was im Gelben Sack landet, kann recycelt werden. Für den eigenen Hausmüll zahlt der Hausbesitzer. Für den Müll eines Herstellers ist es auch nur richtig, dass der Hersteller für die Entsorgung aufkommt. Hier liegt die Verantwortung beim Hersteller, nur recyclingfähige Verpackung zu produzieren. Schade ist allerdings, dass die Unternehmen, die Recycling Material einsetzen an den Grünen Punkt genauso viel bezahlen, wie Unternehmen, die immer wieder neues Plastik produzieren. Hier könnten positive Impulse für die Wirtschaft entstehen.

RETHINK

Ich habe irgendwo gelesen, dass ein alter Stamm im Urwald sieben Generationen im Voraus denkt, um die Zukunft des Stammes gewährleisten. Ich kann diese Aussage nicht belegen, aber ich weiß, dass im Konzern die Sichtweise oft kaum länger als ein Quartal gilt. Lobenswerte Nachhaltigkeits-Projekte werden aufgegeben oder laufen nur am Rande, weil ein Konzern schlicht und ergreifend überleben muss. Druck vom Shareholder, Druck vom Markt, Druck durch viele anderen Prioritäten. Es gibt so viele Menschen, Menschen wie ich und Sebastian, die im Konzern gearbeitet haben und ernsthaft etwas für die Umwelt bewegen wollen. Hier ist es wie beim Zero-Waste-Konzept. Der Einzelne kann etwas bewirken, aber dieser Signal muss von Industrie, Handel und Politik konsequenter aufgegriffen werden. Dadurch kommt Bewegung in die Diskussion und in die Umsetzung. Die Konzepte kommen langsam, aber soooo langsam. Ziele bis 2025 oder 2030 für den Einsatz von Rezyklat oder die Recyclingfähigkeit eines Produkts reichen nicht. Sie müssen viel schneller, viel konsequenter und als Priorität umgesetzt werden: „There is no business to be done on a dead planet“. Nachhaltige Ansätze können Geld sparen. Siehe alleine die Möglichkeiten Plastik einzusparen, wenn man die Kunststoffflaschen auf Effizienz und nicht auf „Shelf Impact“ - also auf immer größer und höher im Regal - trimmt. 

Extinction Rebellion Plakat: “There is no business to be done on a dead planet.” David Brower

Extinction Rebellion Plakat: “There is no business to be done on a dead planet.” David Brower